Philologenverband sieht Volllastbetrieb an Schulen als Nagelprobe

Gesellschaft Von Extern | am Mo., 31.05.2021 - 17:09

HANNOVER. Nach landesweit deutlich gesunkenen Inzidenzwerten unter die Marke von 50 kehren die Schulen wieder in den Präsenzunterricht mit weiterhin geltenden Vorsichtsmaßnahmen zurück. Dazu äußert sich der Vorsitzende des Philologenverbandes Niedersachsen, Horst Audritz, wie folgt: „So sehr die Rückkehr zum Präsenzunterricht auch zu begrüßen ist, weil er deutlich effektiver ist als Wechsel und Distanzunterricht und endlich wieder echte persönliche Zuwendung ermöglicht, so sehr müssen euphorische Erwartungen gebremst werden.

Die Entwicklung der letzten Wochen hat gezeigt, wie schnell sich das Blatt  wenden kann. Das Virus bleibt in der Welt und ist nur bei konsequenter und kontinuierlicher Bekämpfung zu  besiegen. Dazu gehört zuvorderst eine gesicherte Herdenimmunität durch Impfung von Lehrkräften, Beschäftigten und Schülerinnen und Schülern. Hier ist ein Impfangebot für diese wichtige Gruppe zwingend erforderlich. Der Volllastbetrieb in den Schulen wird die Nagelprobe sein, ob die Öffnungsschritte gerechtfertigt sind. Undiszipliniertes Verhalten und eine unbedachte Normalität können sich schnell rächen. Deshalb muss es dabei bleiben, dass jeder Einzelne in die Verantwortung genommen wird, Schutzvorschriften einzuhalten.  

Jetzt müssen wichtige Weichen gestellt werden, damit wenigstens das nächste Schuljahr so normal wie möglich  beginnen kann. Es darf hier keine weitere Zeit verloren gehen. Dazu müssen neben dem Impfschutz die Rahmenbedingungen in jeder einzelnen Schule bis Ende der Sommerferien in den Blick genommen und pandemiesicher  aufgestellt werden. Dazu sind die nach wie vor offenen Fragen nach baulichen Mängeln, der Belüftungssituation, Luftreinigungsgeräten, Hygienestandards (Waschbecken, Desinfektionsmöglichkeiten, Reinigung der Räume, Zustand der Toilettenanlagen …) und vor allem der technischen Ausrüstung für einen möglichen Distanzunterricht  dringend zu klären.  

Dass erfolgreicher Unterricht auch unter schwierigen Verhältnissen möglich ist, haben die diesjährigen Abiturprüfungen bewiesen. Von den Schülern hat es bisher fast nur positive Rückmeldungen gegeben. Trotz Corona fühlten sie sich gut vorbereitet und fair durch die Vorgaben des Kultusministeriums und die Lehrkräfte behandelt. Sie wollten und konnten unter Beweis stellen, dass dieser Jahrgang nicht mit dem Makel eines Corona-Abiturs leben muss. 

Jetzt kommt es darauf an, diese Erfahrungen für die nächsten Jahrgänge zu nutzen und Lücken zu schließen. Eine undifferenzierte „Aufholjagd“ mit erhöhten zusätzlichen Belastungen für alle ist dabei nicht zielführend. Im Gegenteil, die Belastungen müssen sich auf ein „Normalmaß“ einpendeln. Das gilt für Schülerinnen und Schüler und  für die Lehrkräfte, die durch erhöhten Arbeitseinsatz dafür gesorgt haben, dass das Corona-Schuljahr kein verlorenes Schuljahr war.“