Selfie-Aktion gegen drohende "Gerry Weber" Insolvenz

Wirtschaft Von Redaktion | am Mi., 20.05.2020 - 14:45

HALLE/CELLE. „Es ist fünf Minuten vor zwölf, um eine zweite Insolvenz zu verhindern“, sagt "Gerry Weber" Betriebsrätin Antje Fink. „Eine zweite Insolvenz bedeutet, dass die Beschäftigten kein weiteres Mal von der Bundesagentur für Arbeit Insolvenzausgleichsgeld bekommen. Sie würden dann drei Monate ohne Geld dastehen.“ Mit einer "Selfie-Blitzaktion" wollen alle Mitarbeitende, auch am Standort Celle, auf ihre Not aufmerksam machen.

Viele Beschäftigte hängen nach den Worten von Antje Fink mit Herzblut an dem Unternehmen Gerry Weber, das hochwertige Textilien verkauft. Die Corona-Krise treffe auch hier die Beschäftigten hart. Weil die Kaufhäuser und Geschäfte geschlossen waren, waren die Verkäuferinnen wie in den meisten anderen Branchen auch in Kurzarbeit. 

Seit Januar 2020 ist Gerry Weber aus der Insolvenz in Eigenverwaltung. Die Gläubiger hätten eine Quote von 30 Prozent zugesprochen bekommen. Durch die Corona-Krise könne Gerry Weber diese Ausschüttung nicht leisten und habe ein neues Konzept entwickelt, sagt die zuständige Gewerkschaft IG Metall. 

"Das Unternehmen ist überlebensfähig, wenn die Gläubigerbanken einen Teil ihrer Forderung in ein Darlehen bis 2023 umwandeln. Nur wenn die meisten Gläubigerbanken mitmachen, funktioniert das neue Finanzierungskonzept. 20 Sparkassen sperren sich gegen dieses Konzept", so Gewerkschaftssprecher Manfred Menningen

Bei der Selfie-Aktion stellen sich die VerkäuferInnen in den Läden mit Mundschutz vor die Kamera und halten ein Schild hoch mit dem Text: „Die Sparkasse riskiert in dieser Corona-Krise meinen Arbeitsplatz“. Adressat der Protestaktion sind über 20 Sparkassen in ganz Deutschland, die "jetzt Geld sehen wollen" und damit aus Sicht der Gewerkschaft eine Rettung verhindern würden. Dass es ohnehin einen Stellenabbau geben werde, stehe bereits fest. Rund 200 weitere Arbeitsplätze sollen wegfallen. Der Betriebsrat steckte mitten in den Verhandlungen über einen Sozialplan, ehe das Problem mit den Banken bekannt wurde.