Weltstars beim Open R - Veranstalter Ulrich Gustävel im Interview

Musik Von Redaktion | am So., 23.02.2020 - 19:01

UELZEN. Die Fantastischen Vier und Peter Maffay, Boss Hoss und Silbermond, Jan Delay und Bob Geldof, Die Ärzte und Sting, Herbert Grönemeyer und Elton John – Jahr für Jahr stehen seit 2008 musikalische Weltstars auf der Bühne des Open R in Uelzen, einem Freiluftgelände mit einem angeschlossenen stillgelegten Fabrikkomplex, der Jabelmannhalle. In diesem Jahr treten unter anderem die Toten Hosen, Xavier Naidoo und Roland Kaiser auf. Doch wie gelingt es dem Veranstalter Ulrich Gustävel, die Zuckerstadt jeden Sommer zur Weltbühne zu machen? Thomas Mitzlaff sprach für UELZENHEUTE mit dem 54-jährigen Unternehmer.

UELZENHEUTE: "Herr Gustävel, wie holt man Elton John nach Uelzen?"

Gustävel: Alles was hier passiert, hat seinen Ursprung weit vorher. Mit 16 Jahren habe ich in der Discothek Klimperkiste gekellnert und Live-Atmosphäre hat mich schon damals fasziniert. Eigentlich schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Ich wurde dann Reitlehrer und habe parallel Events in der „Musik-Galerie“ in Uelzen organisiert. Im Jahr 2004 stand ich dann in der Reithalle und bin zur Erkenntnis gekommen, dass mir das für den Rest meines Lebens zu langweilig ist. Da habe ich dann die inzwischen stillgelegte Jabelmannhalle gekauft, um sie zur Veranstaltungshalle umzubauen und mich selbst zu verwirklichen.

UH: Und wie gewinnt man dann die Stars für seine Location?

Gustävel: Ich habe meine alten Kontakte aus den 1990ern wieder aufleben lassen und so wächst das dann Jahr für Jahr. Um das am Markt zu etablieren, braucht man sieben bis acht Jahre und das war dann auch die Zeit, wo ich Elton John im Jahr 2016 auf die Bühne bekam.

UH: Aber die Ärzte, auch ein absoluter Hochkaräter, waren schon beim ersten Open R im Jahr 2008 dabei...

Gustävel: Das ist eine kuriose Geschichte. Die Band hatte sich in den 90er Jahren aufgelöst, Sänger Farin Urlaub wollte eine Solokarriere starten und wir haben uns für einen Auftritt in der Musik-Galerie breitschlagen lassen. Es war ein Reinfall, nur 40 Besucher. Und er hat dann zum Abschied versprochen, uns die Halle irgendwann mal vollzumachen.

UH: Und das Versprechen hat er eingehalten?

Gustävel: Ja, die Ärzte kamen dann wieder zusammen, spielten nur in den ganz großen Hallen und der Manager hat mich ausgelacht, als ich wegen eines Auftrittes in der Musik-Galerie angefragt habe. Aber ich habe ihm erklärt, dass Farin mir das versprochen hatte. Da hat er Rücksprache gehalten und die Ärzte sind im Jahr 1995 das erste Mal nach Uelzen gekommen. Daraufhin sind sie 1996 erneut aufgetreten und nach dem Konzert gab es eine legendäre Tortenschlacht. Die war dann die Grundlage zum Auftritt beim ersten Open R im Jahr 2008.

UH: Das mit der Tortenschlacht müssen Sie genauer erklären!

Gustävel: Bandmitglied Bela B hatte am Tag des Auftrittes Geburtstag und nach dem Konzert haben wir alle in der Garderobe gestanden und „Happy Birthday“ gesungen. Da war ein ganzes Tortenbufett aufgebaut und Farin Urlaub hat dann einfach eine Torte genommen und sie Bela mitten ins Gesicht geworfen. Und dann gab es kein Halten mehr...

UH: Daran hat sich die Band zwölf Jahre später erinnert?

Gustävel: Offensichtlich, denn als ich 2007 anfragte, sollten Die Ärzte eigentlich auf der Trabrennbahn in Hamburg spielen. Aber dann erklärten sie ihrem Manager, sie wollen stattdessen lieber in Uelzen auftreten. Da kamen 32.000 Besucher in die Arena, das war der Grundstein für die folgenden Jahre.

UH: Und als ein absolutes Highligt kam 2016 dann Sir Elton John

Gustävel: Das war in der Tat mit der aufwändigste aller Auftritte. Da rollte ein Lastwagen mit 38 Schränken für ihn an, die haben ihm in der Jabelmannhalle sein komplettes Wohnzimmer aufgebaut, mit Bett, Sofa, eigenen Grünpflanzen und englischem Satellitenfernsehen.

UH: Eine ehemalige Fabrikhalle als Umkleide – das ist schon außergewöhnlich.

Gustävel: Ja, die Künstler finden es toll. Alles, was sonst um die Bühne herum in Containern aufgebaut wird, ist in der Halle. Duschen, Umkleiden, der Bar-Bereich. Die Künstler bleiben lange in der Halle, das zeigt, dass sie sich wohlfühlen. Sting zum Beispiel saß lange total entspannt am Tresen, die Barfrau ist förmlich dahingeschmolzen.

UH: Und wie läuft der Vorverkauf für diesen Sommer?

Gustävel: Gigantisch. Wir müssen das Areal wegen verschiedener Aufbauten auf 20.000 Besucher begrenzen, beim Auftritt der Toten Hosen werden wir ausverkauft sein. Sonnabend rechne ich mit 12.000 bis 15.000 Besuchern, Sonntag mit 6000 bis 7000.

UH: Und welchen Star wollen Sie unbedingt noch nach Uelzen holen?

Gustävel: Robin Williams. Mit seinem Management habe ich schon zwei Mal gesprochen. Man merkt, dass die Agenten unser Festival mittlerweile ernst nehmen. Wir haben ein gutes Standing und einen guten Ruf.

Das Programm des Open R 2020 in Uelzen

Donnerstag, 27. August, 19.30 Uhr „Die Toten Hosen“
Sonnabend, 29. August, 15 Uhr „Neue Töne“ u. a. mit Xavier Naidoo, Johannes Oerding und Lotte
Sonntag, 30. August, 19.30 Uhr Roland Kaiser mit Band