NABU: An Mariä Geburt fliegen alle Schwalben furt

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Fr., 06.09.2019 - 18:36

Kaum ein Vogel habe eine so enge Beziehung zum Menschen wie die Schwalbe. „Sie kommt als einer der wenigen Vögel sogar zu den Menschen ins Haus“, sagt Philip Foth, Pressesprecher des NABU Niedersachsen. Und aus diesem Grund haben die Flugkünstler auch ihre deutlichen Spuren in der Kulturgeschichte des Menschen hinterlassen. Im Mittelalter, so berichtet der Naturschützer, galt die Schwalbe als Lichtvogel, der rund um Mariä Verkündigung am 25. März auftauchte und quasi den Frühling mitbrachte. Man habe sie auch Muttergottesvogel genannt, weil sie sich meist um Mariä Geburt (8. September) wieder auf den Weg nach Afrika machte. „Mariä Geburt fliegen alle Schwalben furt“, heißt es denn auch in einem alten Sprichwort.

Doch die jahrhundertelange Gemeinschaft zwischen Schwalbe und Mensch sei mancherorts derzeit in Auflösung begriffen. Mehl- und Rauchschwalben werden in der aktuellen Roten Liste als gefährdet eingestuft. Grund dafür sei nicht nur die Zerstörung und Entfernung von Schwalbennestern, weil diesen in einer auf Sauberkeit und Sterilität tendierenden Gesellschaft keine Daseinsberechtigung mehr eingeräumt wird, sondern auch der weitere dramatische Strukturwandel und in Folge der Mangel an „schwalbendurchlässigen“ Gebäuden wie Ställen oder Hallen. Moderne Reithallen und Stallungen seien zudem oft so hermetisch abgedichtet, dass eine Schwalbe hier keinerlei Möglichkeit mehr zum Unterschlupf findet.

Gerade jetzt wo die Schwalben abziehen, würden vielerorts die Nester einfach abgeschlagen oder abgekärchert. „Viele Menschen wissen gar nicht, dass dies nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng verboten ist. Wer dies trotzdem tut kann mit einem Bußgeld von bis zu 50.000 Euro rechnen“, erklärt Foth. Doch nicht auf Drohkulissen und massivere Repressalien setzen die Naturschützer des NABU, sondern auf Aufklärung und Hinweise für Hilfsmaßnahmen gegen Kotverschmutzung.

„Wir wollen darüber hinaus positive Zeichen setzen und Menschen, die ihre Häuser den Schwalben ein Stück weit öffnen, auszeichnen“, so Foth weiter. Aus diesem Grund hat der NABU in Niedersachsen vor Jahren die Aktion „Schwalben willkommen“ ins Leben gerufen. „In diesem Jahr wurden 410 Schwalbenfreunde ausgezeichnet,“ berichtet der Pressesprecher. Etwa 4.510 Plaketten haben NABU-Aktive mittlerweile dafür ausgezeichnet, dass die sprichwörtlichen Glücksboten dort willkommen sind und aus ihren über 4.000 Kilometer entfernten Überwinterungsgebieten südlich der Sahara jedes Frühjahr wieder dorthin zurückkehren können.

Wie man Nisthilfen für die Tiere oder gar in seinem Garten eine Lehmpfütze anlegt, das alles kann man auf der Homepage des NABU Niedersachsen erfahren. Wer den Schwalben in Niedersachsen ebenfalls Unterschlupf gewährt und Interesse an der Auszeichnung hat, der kann sich auch beim NABU melden.

Per E-Mail oder Post kann man sich mit einem ausgefüllten Antrag für die beliebte Plakette bewerben. Diesen kann man entweder im Internet unter www.NABU-niedersachsen.de/schwalben herunterladen oder einfach beim NABU Niedersachen per Mail unter info@NABU-niedersachsen.de oder per Brief an Alleestraße 36, 30167 Hannover anfordern.

Ein Leitfaden zum Schwalbenschutz ‚Schwalben willkommen‘ konnte mit Unterstützung der Niedersächsischen Bingo-Umweltstiftung erstellt werden und ist kostenlos von fünf Briefmarken zu 80 Cent für den Versand erhältlich beim NABU Niedersachsen, Alleestraße 36, 30167 Hannover.