LHTV VIDEO: "Muss das sein?" Bizarrer Streit um mutmaßliches "NS-Symbol"

Allgemein Von Redaktion | am Do., 23.05.2019 - 15:23

WINSEN/ALLER / CELLE. "Muss das sein?" fragt die Gedenkstätte Bergen-Belsen in ihrem Facebook-Auftritt. Der Winser Unternehmer Jürgen Lindhorst habe vor mehreren Jahren einen Findling mit einer sogenannten "Wolfsangel" als Symbol umgesetzt, der auf seinen Urgroßvater zurückführe - also aus einer Zeit weit vor dem Nationalsozialismus. Dr. Jens-Christian Wagner als Leiter der Gedenkstätte stört sich daran, weil die Einfahrt des Privathauses an der Straße sei, die zur Gedenkstätte Bergen-Belsen führe.



Lindhorst, der die Arbeit der Gedenkstätte nach eigenem Bekunden schätze, sei von den Vorwürfen völlig überrascht worden - ziere so ein Stein doch schon seit den 1920er Jahren das Familienanwesen ohne aus seiner Sicht jede politische Bedeutung. In der Tat ist das Zeichen nicht verboten, allein in der Region Hannover ist es vielerorts zu sehen – auch Städte und Gemeinden tragen es in ihrem Wappen. Letztmals wurde es 2014 in der Wedemark diskutiert. Doch nach langen Diskussionen hatte der Rat der Gemeinde 2014 entschieden, das Symbol nicht aus dem Wappen zu streichen.

Lindhorst suchte das Gespräch mit Wagner, hat geschrieben und telefoniert. In einem zweiten Posting der Gedenkstätte wurde darauf eingegangen, aber nicht erwähnt, dass es sich um ein erlaubtes Zeichen handelt, wenn es nicht im politischen Kontext genutzt werde. Damit nicht genug - Wagner wandte sich offenbar an die Presse. Die HAZ nahm das Thema zunächst auf, titelte "Unternehmer stellt Wehrmachtssymbol an Straße zu Gedenkstätte aus", revidierte den Artikel anschließend, um hinterher ebenfalls festzustellen, dass das Zeichen grundsätzlich erlaubt ist. Auch andere Medien rücken den Winser ungeprüft mit eindeutigen Schlagzeilen ins rechte Licht.
TRAILER IN FACEBOOK-AUSGABE:



Das vorherige Gespräch mit dem Angeschuldigten suchte der Leiter der Gedenkstätte auf Nachfrage von CELLEHEUTE nicht. "Mit solchen Leuten suche ich nicht unbedingt das Gespräch", so Wagner, der überzeugt ist, dass der Unternehmer "AfD-nah" sei . "Ich weiß nicht, woher Wagner die Informationen bezieht", wundert sich Lindhorst. Er sei weder Politiker noch in einer Partei, aber spreche selbstverständlich mit Vertretern aller erlaubten Parteien - das verstehe sich in einer Demokratie und er fragt sich nach den aus seiner Sicht ungerechtfertigten Anschuldigungen: "Muss das sein?"
Wir haben wie gewohnt beiden Seiten zugehört. Unzensiert und unkommentiert - auf LOKALHEUTE.TV (CELLEHEUTE.TV)