Lebensmittelgeschäft statt Kurhaus - Bürgerbegehren in Sicht

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BAD FALLINGBOSTEL. „Ich würde mir wünschen, dass es in Bad Fallingbostel endlich ein WIR-Gefühl gibt. Ich bin von vielen Einwohnern der Stadt angesprochen worden, die das Kurhaus unbedingt erhalten wollen. Es darf nicht abgerissen werden. Und darum freue ich mich, dass wir bereits über 950 Unterschriften für das Haus gesammelt und damit die gesetzlich vorgeschriebene Stimmenzahl für ein Bürgerbegehren erreicht haben“. Der 79-jährige in Frankfurt/Main gebürtige Helmut König, der gemeinsam mit Hartmut Gräf, Otto Sauer und Reinhard Mestwerdt die Initiative „Bürger für Fallingbostel“ anführt, redet sich fast in Rage, als er über die Planungen der Stadt im Citybereich spricht. „Wir brauchen keinen Lebensmittelvollsortimenter mitten in der Stadt. Das Kurhaus ist seit eh und je ein kulturelles Zentrum, das unbedingt erhalten bleiben muss. Wir werden darum kämpfen“.
Ganz anders sieht das Bürgermeisterin Karin Thorey. Fallingbostel habe längst das Prädikat „Kneipp-Kurort“ abgegeben. Man habe langzeitlich auf ein anderes Konzept gesetzt, das die Innenstadt mehr beleben soll. „Ein Anfang wurde mit dem Ausbau der Vogteistraße gemacht“. Dort habe sich auch wieder ein neuer Betrieb angesiedelt. Gemeinsam mit der Hanseatischen Betreuungs- und Beteiligungsgesellschaft (HBB) habe man für den Innenstadtbereich Ideen entwickelt, die der Rat in seiner letzten Sitzung zustimmend zur Kenntnis genommen hat. Dazu gehöre der Abriss des Kurhauses und der anschließende Neubau eines Lebensmittelanbieters sowie die Einbindung des Sebastian-Kneipp-Platzes und des Leiditz-Projektes in eine sinnvolle Neugestaltung. „Wir müssen einfach umdenken, wenn wir mehr Menschen in unserer Stadt haben wollen“, sagt Thorey. Hat aber auch gemeinsame Arbeit mit der Bürgerinitiative getan, als von dort die Frage nach einem Bürgerbegehren aufkam. „Wir haben beraten, werden aber mindestens 950 Unterschriften, die bis zum 6. September definitiv bei uns eingereicht werden müssen, akribisch überprüfen.“

Sanierung des Kurhauses könnte mehr als fünf Millionen kosten
Die Stadt geht von mehr als fünf Millionen Euro Kosten aus und beruft sich auf Aussagen von Experten aus den vergangenen Jahren. Das Gebäude, das 1965 gebaut und dann in zwei weiteren Etappen erweitert wurde, sei in die Jahre gekommen. Dabei sei ein Angebot des möglichen Investors HBB gerade recht gekommen. Es sieht vor, das Kurhaus abzureißen und dort ein neues Lebensmittelfachzentrum im größeren Umfang zu bauen. „Wir haben hier eine Grünfläche von rund 5000 qm, die wir für die Maßnahmen hergeben müssten, aber wir besitzen in der Stadt rund 45 000 qm Grünfläche, vor allem den nahen Kurpark“. Und so könne man den Innenbereich mit neuen Läden und neuen Angeboten noch attraktiver gestalten. Dazu gehöre auch das Leiditz-Projekt, mit dem es überhaupt nicht voran zu gehen scheine. „Hier könnten wir die Bücherei und die Tourist-Information, aber auch einen Versammlungsbereich integrieren“. Auch ein Gesundheitszentrum an diesem Ort sei einen Gedanken wert. Eine weitere Idee der Stadt ist es, die Heidmark-Halle noch mehr in das städtische Leben einzubinden und die Halle sinnvoll aufzuteilen.

König hält dagegen: „Sicher könnten wir in diesem Innenstadtbereich einen kleineren Sortimenter ansiedeln", jedoch sehe Königs "Expertenteam" längst nicht die Renovierungskosten, die die Stadt genannt hat. Es seien lediglich kleinere Arbeiten zu verrichten. Und darum wehre man sich gegen solche Planungen und werde sie nicht hinnehmen. Man sei sicher, bei einem möglichen Bürgerbegehren, das an einem Sonntag stattfinden würde, mehr als 1900 wahlberechtigte Fallingbosteler auf seine Seite zu ziehen. Thorey erklärt dazu: „Dann darf zwei Jahre lang nichts an dem Kurhaus getan werden. Wir dürfen dann nicht sanieren“. Und müsse dann über andere Lösungen nachdenken.

Die Bürgermeisterin machte allerdings deutlich, dass das Kurhaus so lange nicht an einen Investor verkauft werden soll, solange für die Bücherei, die Tourist-Information und das Musik-Pavillon kein neuer Standort gefunden worden ist. Sie unterstrich dabei noch einmal die Notwendigkeit, das Pavillon an anderer Stelle, „vielleicht im Kurpark“, neu zu eröffnen.

König: „Unterschriftenaktion läuft sehr gut“
Der Rentner, der seit 20 Jahren in Bad Fallingbostel lebt, gern wandert und die Schönheiten rund um die Kreisstadt erlaufen hat, hat viele prominente Verfechter seines Gedankens, das Kurhaus zu erhalten, gefunden. Den Rechtsanwalt vor Ort beispielsweise, den Architekten, der einstmals das außergewöhnliche Gebäude entstehen ließ, ehemalige Ratsmitglieder sowie in Dorfmark, wo vor dem EDEKA- Geschäft kräftig Unterschriften gesammelt wurden. „Manchmal kann ich Entscheidungen im Rat nicht nachvollziehen“, sagt der 79-Jährige. "Lasst uns doch lieber an mehr Touristik für die Stadt denken. Lasst uns die Stadt hier besser vermarkten“. Er selbst hatte vor einigen Jahren gemeinsam mit anderen Fallingbostelern dafür gesorgt, dass die Megalith-Gräber in der Stadt wieder in Ordnung gebracht wurden. „Anpacken“ ist sein Ding.

Text: Klaus Müller