Städte- und Gemeindebund sieht hausärztliche Versorgung in Gefahr

Politik Von Redaktion | am Di., 16.03.2021 - 08:09

HANNOVER. "Mit Bestürzung haben wir aus Regierungskreisen vernommen, dass eine zentrale Empfehlung der Enquetekommission zur medizinischen Versorgung nicht umgesetzt werden soll", erklärte der Präsident des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes, Dr. Marco Trips, gestern gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). Bereits vor Einsetzung der Kommission sei übereinstimmend festgestellt worden, dass im Land Niedersachsen 200 MedizinerInnen-Studienplätze fehlen. Im Koalitionsvertrag der Regierungsparteien sei dieses Ziel verankert, so der Niedersächsische Städte- und Gemeindebund.

In der Kommission habe zu diesem Punkt große Einigkeit über die Höhe, aber auch vor allem über die Dringlichkeit des Bedarfes bestanden. Da sich der hausärztliche Beruf ändert – weg von der Inhaber geführten Einzelpraxis mit Tag- und Nacht-Dienst hin zu familienverträglicheren Teilzeitmodellen in Angestelltenverhältnis – steige auch der Bedarf an Köpfen. Verkürzt: Zwei TeilzeitärztInnen ersetzen einen vorhandenen Arzt. Die Kommission habe zutreffend festgestellt, dass die hausärztliche Versorgung in den ländlichen Räumen vor enormen Herausforderungen stehe und ein starkes Stadt-Land-Gefälle in der Versorgungsdichte bestehe. In naher Zukunft ist von einer Überlastung der hausärztlichen Kapazitäten auszugehen.

„Wenn jetzt nicht mit einer Erhöhung der Studienplätze gegengesteuert wird, dann wird das hausärztliche System vor die Wand gefahren“, so Präsident Trips in Hannover im Vorfeld der Landtagsdebatte über die Ergebnisse der Kommission. Ihm sei bewusst, dass die Einrichtung der Studienplätze sehr kostspielig und die Finanzen durch Corona stark beeinträchtigt seien, so Trips weiter. Hier müsse man jedoch ernsthaft die Schuldenbremse in Frage stellen, da es sich um eine sehr lebensnotwendige Frage der Gesundheitsversorgung in den ländlichen Räumen handele. „Wer hier jetzt nicht handelt und dieses zentrale Ergebnis der Enquetekommission in den Wind schießt, kann ausrechnen, wann der ländliche Raum ausblutet. Wir können doch nicht mit der Begründung von Pandemie-Auswirkungen unser Gesundheitssystem kaputtsparen“, so Trips abschließend.

Der Niedersächsische Städte und Gemeindebund (NSGB) ist der kommunale Spitzenverband der kreisangehörigen Städte, Gemeinden und Samtgemeinden in Niedersachsen. Der Verband spricht für über 400 kreisangehörige Städte, Gemeinden und Samtgemeinden in Niedersachsen. Über 15.000 von 22.000 gewählten Mandatsträgern repräsentieren die genannten Gebietskörperschaften.