BUND fordert Rücksichtnahme auf Wildkatzen

Kultur + Gesellschaft Von Redaktion | am Do., 06.06.2019 - 22:20

In den kommenden Sommermonaten werde es in Niedersachsens Wäldern vermehrt zur Sichtung junger Wildkatzen kommen. In diesem Jahr seien die Wildkätzchen besonders gefährdet, da in Niedersachsen aufgrund einer befürchteten Ausbreitung des Borkenkäfers in vielen geschützten Wäldern – anders als sonst – auch zwischen März und September Bäume gefällt und entnommen werden dürfen.

„Die Waldarbeiten können dazu führen, dass die Mutterkatze für eine längere Zeit vertrieben wird oder Kätzchen in ihrem Versteck umkommen, wenn Holzstapel in der Aufzuchtzeit abgeräumt werden“, gibt die BUND-Wildkatzenexpertin Andrea Krug zu bedenken. Der BUND kritisiert, dass die Holzentnahme im Frühjahr und Sommer in Niedersachsen zu wenig eingeschränkt wird und kürzlich sogar innerhalb von Natura 2000-Gebieten aufgehoben wurde. „Die Begrenzung von Holzentnahmen dient maßgeblich dem Schutz von Fortpflanzungs- und Ruhestätten streng geschützter Tierarten. Dieser ist nun nicht mehr gewährleistet. Rechtfertigt ein möglicher wirtschaftlicher Schaden durch einen Borkenkäferbefall, dass der Artenschutz in Schutzgebieten außer Kraft gesetzt wird?“, fragt Susanne Gerstner, BUND-Landesgeschäftsführerin.

Der BUND fordert Spaziergänger und Wanderer auf, Wildkätzchen nicht anzufassen oder gar mitzunehmen, auch wenn sie scheinbar allein und mutterlos angetroffen werden. Immer wieder nähmen besorgte Tierfreunde Jungtiere mit, bringen sie zu Tierärzten oder Schutzstationen oder behalten sie einfach zu Hause. „Davon raten wir dringend ab“, sagt Krug. „Das Muttertier ist in der Regel nicht weit weg, gerade auf Mäusejagd oder versteckt sich in unmittelbarer Nähe“. Die Jungtiere sollten nur aus größerer Entfernung beobachtet werden. „Wenn Spaziergänger Zweifel haben, ist es sinnvoll, den zuständigen Förster, Jäger oder den BUND zu kontaktieren, und die Stelle, an der die Kätzchen gesichtet wurden, mitzuteilen. Unsere Kolleg*innen kümmern sich dann darum“, so Krug.

Die Wildkatze benötige für die Aufzucht ihres Nachwuchses Baumhöhlen, Totholz, umgeworfene Wurzelteller und dichtes Gestrüpp als Versteck. Der BUND fordert Förster und Waldbesitzer auf, den Windwurf von Winterstürmen wo immer möglich in den Wäldern zu belassen und vom Borkenkäfer befallene Bäume in Schutzgebieten erst bei der regulären Holzernte im Herbst zu beräumen, um Wildkatzen und andere bedrohte Waldtiere nicht bei der Aufzucht zu stören und zu gefährden.

Wer Wildkatzenjunge gesehen hat, kann dies dem BUND Niedersachsen „Rettungsnetz Wildkatze“ melden: www.bund-niedersachsen.de/wildkatzen.