Arbeitsmarkt im August: Sommerende mit steigender Arbeitslosenzahl

Wirtschaft Von Redaktion | am Do., 29.08.2019 - 22:12

Im August waren bei den Arbeitsagenturen und Jobcentern im Bezirk der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen 14.924 Frauen und Männer arbeitslos gemeldet. Die Arbeitslosenzahl nahm gegenüber Juli um 301 Personen (2,1 Prozent) zu. Im Vergleich zu August 2018 erhöhte sich die Arbeitslosigkeit um 283 Personen (1,9 Prozent). Die Arbeitslosenquote stieg auf 4,9 Prozent, ein Plus von 0,1 Prozentpunkte gegenüber Vormonat und Vorjahresmonat.

„Die verhaltenen Konjunkturprognosen wirken sich derzeit nicht direkt auf den regionalen Arbeitsmarkt aus“, betont Kerstin Kuechler-Kakoschke, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Lüneburg-Uelzen, „Insbesondere die Arbeitskräftenachfrage hat in diesem Jahr nicht nachgelassen. Ein Zeichen, dass Fachkräfte nach wie vor gefragt sind und sich der Stellenmarkt in Teilen von konjunkturellen Impulsen entkoppelt hat“. Ein Teilindikator ist die Zeitarbeit. In diesem Bereich wurden seit Jahresbeginn sieben Prozent weniger neue Stellen gemeldet, dies blieb allerdings ohne Auswirkungen auf den Gesamtindikator, denn die Arbeitskräftenachfrage lag über dem Vorjahresniveau. Insgesamt 9.594 neue freie Stellen wurden seit Januar gemeldet - ein Plus von 4,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Im August waren mehr als 5.800 freie Stellen im Bestand, fast 600 Stellen mehr als im Vorjahresmonat.

Die konstant hohe Arbeitskräftenachfrage in den vergangenen Jahren eröffnete Beschäftigungschancen. Bei einigen Personengruppen sind jedoch mehrere Integrationsschritte notwendig, damit eine Arbeitsaufnahme gelingen kann, beispielsweise bei Langzeitarbeitslosen, die Grundsicherung bei den Jobcentern beziehen. Schlussendlich hebt die Arbeitsmarktexpertin in diesem Zusammenhang hervor: „Qualifikation wird künftig mehr denn je die Währung auf dem Arbeitsmarkt sein“. Der Arbeitsmarkt verändert sich, Digitalisierung sei hier nur eins der Stichworte. Bereitschaft, Wissen und Kenntnisse anzupassen und damit individuelle Chancen zu erlangen und zu verbessern, sei daher nicht nur bei Arbeitslosen, sondern auch bei Beschäftigten und Unternehmen von Bedeutung. Arbeitsagenturen und Jobcenter unterstützen hier mit Fachexpertise, Beratung und möglichen finanziellen Förderungen.

Einer der Gründe für die Zunahme der Arbeitslosenzahlen im Vergleich zum Vorjahr ist im Fluchtkontext zu finden. Fast 200 Arbeitslose im Kontext mit Fluchtmigration waren im August gemeldet. „Insbesondere in den Landkreisen Lüneburg und Harburg haben Geflüchtete eine neue Heimat gefunden. Die Integration auf dem Arbeitsmarkt ist jedoch kein Sprint, sondern erfordert Ausdauer“, so die Agenturchefin. Nach dem Spracherwerb sind berufliche Qualifikation und Ausbildung Schritte, damit langfristig Beschäftigungsperspektiven vorhanden sind.

Arbeitslose Geflüchtete
Für den August belief sich die Zahl der arbeitslosen Geflüchteten, die als Asylbewerber nach Deutschland gekommen sind und sich im Agenturbezirk Lüneburg-Uelzen um Arbeit oder Ausbildung bemühen, auf 1´273 Arbeitslose (Vormonat: 1.199/Vorjahresmonat: 1.075) im Kontext von Fluchtmigration.

Landkreis Harburg: 419 (Vormonat: 394/Vorjahresmonat: 378)
Landkreis Lüchow-Dannenberg: 68 (Vormonat: 58/Vorjahresmonat: 57)
Landkreis Lüneburg: 638 (Vormonat: 622/Vorjahresmonat: 511)
Landkreis Uelzen: 148 (Vormonat: 125/Vorjahresmonat: 129)

Entwicklung nach Rechtskreisen
Die Arbeitslosigkeit entwickelte sich in beiden Rechtskreisen - Drittes Sozialgesetzbuch (SGB III) - Arbeitslosenversicherung - sowie Zweites Sozialgesetzbuch (SGB II) unterschiedlich. Im Rechtskreis SGB III lag die Arbeitslosenzahl im August bei 6.243 Personen und nahm gegenüber Juli um 32 Personen (0,5 Prozent) zu. Verglichen mit dem Vorjahresmonat erhöhte sich die Arbeitslosenzahl um 512 Personen (8,9 Prozent). Im Rechtskreis SGB II wurden 8.681 Arbeitslose registriert und damit 269 Personen (3,2 Prozent) mehr als im Juli. Im Vorjahresvergleich sank die Arbeitslosigkeit um 229 Arbeitslose (2,6 Prozent).

Stellenmarkt
Im August waren beim gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Arbeitsagenturen und Jobcenter 5.831 Stellenangebote gemeldet. Damit nahm der Stellenbestand gegenüber Juli um 14 Stellen (0,2 Prozent) und verglichen mit dem Vorjahresmonat um 591 Stellen (11,3 Prozent) zu. Im Monatsverlauf meldeten Unternehmen insgesamt 1.146 neue Stellenangebote. Die meisten Stellenzugänge kamen aus den Bereichen Erbringung von sonstigen wirtschaftlichen Dienstleistungen (456 Stellen, darunter: Vermittlung und Überlassung von Arbeitskräften mit 387 Stellen), Handel; Instandhaltung und Reparatur von Kfz (136 Stellen), Gesundheits- und Sozialwesen (115 Stellen), Verarbeitendes Gewerbe (77 Stellen) und Öffentliche Verwaltung (73 Stellen).

Unterbeschäftigung
Ergänzend zur gesetzlich definierten Arbeitslosenzahl veröffentlicht die Agentur für Arbeit Angaben zur Unterbeschäftigung. Zur Unterbeschäftigung zählen die Arbeitslosen und solche Personen, die nicht als arbeitslos gelten, weil sie beispielsweise im Rahmen von arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gefördert werden. Die Unterbeschäftigung lag nach vorläufigen Angaben im August bei 19.287 Personen und nahm gegenüber Juli um 21 Personen (0,1 Prozent) ab. Verglichen mit August 2018 erhöhte sie sich um 56 Personen (0,3 Prozent). Die Unterbeschäftigungsquote lag im August bei 6,2 Prozent und damit auf dem Vormonats- sowie Vorjahresniveau.

Ausbildungsmarkt
Seit Oktober wurden den Arbeitsagenturen in Buchholz, Lüchow, Lüneburg, Uelzen und Winsen insgesamt 3.075 Ausbildungsstellen gemeldet. Dies waren 94 Stellen (3,2 Prozent) mehr als vor einem Jahr. Gleichzeitig suchten 3.564 Jugendliche die Berufsberatung auf. Das waren 306 Mädchen und Jungen (7,9 Prozent) weniger als im Vorjahr.

Ende August waren noch 774 Ausbildungsstellen unbesetzt und 731 Jugendliche auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle.