Arbeitgeberverbände fordern Schulöffnungen spätestens zu Pfingsten

Wirtschaft Von Extern | am Mo., 03.05.2021 - 15:12

HANNOVER. Angesichts der Diskussion um Privilegien für vollständig geimpfte Personen fordert Dr. Volker Schmidt, Hauptgeschäftsführer der Arbeitgeberverbände im Haus der Industrie und Aufsichtsratsvorsitzender der Ideen Expo, jetzt die Kinder und Jugendlichen in den Blick zu nehmen. „Die Jugend war nun mehr als ein Jahr lang in höchstem Maße zur Solidarität mit den Älteren und Schutzbedürftigen in unserer Gesellschaft gezwungen“, sagt Schmidt. „Jetzt droht in erster Linie diese Generation die Zeche für die Corona-Politik zahlen zu müssen, und deshalb ist es jetzt an uns, Solidarität mit unseren Kindern zu zeigen.“ Im ersten Schritt müssten daher alle Schulen spätestens ab Pfingsten wieder öffnen, mindestens im Wechselmodell.  

Über 200.000 Kinder und Jugendliche in Niedersachsen waren seit nunmehr 26 Wochen nicht mehr in der Schule, sind mehr schlecht als recht zu Hause mittels Homeschooling unterrichtet worden, so Schmidt. „Dabei sind Kinder aus höheren und mittleren Schichten im Vorteil, denn ihren Eltern fällt es leichter, für eine vernünftige, technische Ausstattung ihrer Kinder zu sorgen und sie beim Lernen zu unterstützen.“ Doch Kinder aus sozial schwächeren Familien, oft mit Migrationshintergrund, hätten nahezu keine Chance. Dazu komme, dass der Großteil der Kinder und Jugendlichen kaum Kontakt zu Gleichaltrigen habe und sich viel zu wenig bewege. „Erst in dieser Woche haben Wissenschaftler des Karlsruher Instituts für Technologie eine Studie veröffentlicht, wonach sich die Bewegungszeit der Kinder in diesem Lockdown auf durchschnittlich 75 Minuten täglich nahezu halbiert hat“, sagt Schmidt. Stattdessen sei die Zeit vor dem Bildschirm auf nunmehr 222 Minuten täglich gestiegen.  

Bleibt die Politik nun dabei und lässt die Schulen bis nach den Sommerferien weitgehend geschlossen, dann werden die Kinder insgesamt 44 Wochen in keinem Klassenraum mehr gesessen haben, rechnen die Arbeitgeberverbände vor. „Die Kollateralschäden der Corona-Politik für die Bildung und Entwicklung von Kindern und Jugendlichen sind jetzt schon enorm, aber diese Aussicht ist schlichtweg eine Katastrophe“, sagt Schmidt. Dann würden die zwei Millarden Euro, die Familienministerin Franziska Giffey für ein „Aufholprogramm“ bereitstellen will, bei weitem nicht ausreichen. „Die persönlichen Befindlichkeiten der Bundeskanzlerin können nicht länger der Maßstab sein für die gesamte Gesellschaft der Bundesrepublik Deutschland, ohne Rücksicht auf die Folgen“, sagt Schmidt. Denn den Preis für dieses Denken zahlte die Generation, der eigentlich die Zukunft gehören sollte. 
 

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