HANNOVER. Anlässlich des heute endenden Schulhalbjahres 2018/2019 hat Kultusminister Tonne (SPD) seine Bilanz und weitere Planung für die Schulpolitik vorgestellt.

Der bildungspolitische Sprecher der FDP-Fraktion, Björn Försterling, zieht eine wenig erfreuliche Bilanz der bisherigen Schulpolitik von Kultusminister Tonne. „Die Unterrichtsversorgung ist lediglich statistisch geschönt. Ohne die Verlagerung der vorschulischen Sprachförderung und den Rückgang der Schülerzahlen wäre der Wert erneut gesunken. Die Situation an den Schulen hat sich nicht wirklich verbessert, das erfahren Schüler, Lehrer und Eltern jeden Tag aufs Neue“, so Försterling. Dies belege auch die erneut extrem hohe Zahl an Abordnungen, die nötig seien, um an manchen Schulen den Unterricht überhaupt irgendwie aufrecht erhalten zu können. Försterling: „Auch zum neuen Schuljahr gibt es wieder erhebliche Unruhe an den Schulen, weil sich das Abordnungskarussel munter weiter dreht“.

Die angekündigten Entlastungsmaßnahmen für die Lehrkräfte seien längst überfällig, sie müssten jetzt aber schnell umgesetzt und nicht an Runden Tischen zerredet werden. Zudem gehen sie dem Bildungspolitiker nicht weit genug. „Das ist nicht viel mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Die versprochene, aber immer noch nicht umgesetzte Altersermäßigung für Lehrkräfte, die fehlenden Sonderpädagogen für die angemessene Umsetzung der Inklusion und der immer noch fehlende Stufenplan zur Besoldungserhöhung nach A13 sind die eigentlichen Herausforderungen, die der Kultusminister angehen müsste. An den Schulen macht sich keineswegs Erleichterung, sondern vielmehr Resignation breit. Für den Kultusminister haben wir deshalb heute nur eine gut gemeinte Vier minus. Da ist noch viel Luft nach oben“, so Försterling.

Horst Audritz, Vorsitzender des Philologenverbandes, sieht die heutige Ankündigung des Kultusministers, Bürokratie an den Schulen abzubauen und Dokumentationspflichten zu streichen, erfreulicher:

„Der heute verkündete 11-Punkte-Plan des Kultusministers zur Streichung von Dokumentationspflichten und zum Bürokratieabbau an unseren Schulen ist ein wichtiger und richtiger Schritt zur Entlastung unserer Lehrkräfte. Die vorgeschlagenen Maßnahmen, insbesondere das Aussetzen der VERA-Vergleichsarbeiten, eine nur noch freiwillige anlassbezogene Schulinspektion sowie die Gewährung von Korrekturtagen bei kurzen Fristen im Abitur entsprechen unseren langjährigen Forderungen nach konkreten Entlastungen im Schulalltag. Bei den Beratungen dieses Katalogs mit den Lehrerverbänden setzen wir einen breiten Konsens voraus, da die vorgeschlagenen Maßnahmen schon seit 2012 in der Diskussion und dementsprechend beschlussreif sind. Sie müssen umgehend umgesetzt werden.

Die Richtung, die der Kultusminister hier einschlägt, stimmt. Dennoch dürfen diese zum Teil kleinteiligen Entlastungen nicht darüber hinwegtäuschen, dass deutlich schwerwiegendere Probleme auf konkrete Lösungen warten, um die Lehrerarbeitszeit endlich rechtskonform zu gestalten. Dies gilt beispielweise für die überdurchschnittlich hohe Arbeitszeit von Teilzeitlehrkräften, von Funktionsstelleninhabern, von älteren Lehrkräften und von Lehrkräften, die in der Oberstufe und im Abitur eingesetzt sind sowie für die zu hohe Unterrichtsverpflichtung. Hier fordern wir weiterhin umgehend konkrete Entlastungen für die zu hohe Arbeitszeit“.

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