HANNOVER. Wie schätzen Verbraucher die Werbung von Fleisch ein? Diese und andere Fragen sind Teil einer repräsentativen forsa-Umfrage im Auftrag der Verbraucherzentralen. So vermuteten viele Verbraucher, dass das in unterschiedlichen Werbeprospekten als „artgerecht“ oder mit „Tierwohl“ beworbene Fleisch aus artgerechter Tierhaltung stammt, selbst wenn keine klaren Kriterien genannt werden. Solche Aspekte seien Vertrauenseigenschaften. Für Transparenz und Verlässlichkeit müsse der Handel in der Werbung für Verbraucher nachvollziehbare, korrekte Informationen liefern.

„Werbung mit verlässlichen Informationen zu Fleisch aus tiergerechter Haltung ist rar. Verbraucher können nicht überprüfen, was hinter den Werbeaussagen steckt“, kritisiert Janina Willers, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Immerhin erwarte etwa die Hälfte der Befragten, dass die Fleischprodukte, die unter dem Slogan „Herzenssache Geflügel…aus artgerechterer Haltung / Initiative Tierwohl“ (Netto Marken-Discount) beworben werden, auch aus artgerechterer Tierhaltung stammen. Doch klare Kriterien würden hier nicht genannt.

Die beworbenen Fleischprodukte erfüllten nur minimal mehr als die gesetzlichen Mindestanforderungen. Bei einer Werbung für tatsächlich tiergerechter erzeugte Produkte („Für mehr Tierwohl“, Kaufland) sehe das Ergebnis ähnlich aus. Die Verbraucherzentralen beanstanden, dass aus der Masse an Werbebotschaften die aussagekräftigen Informationen nicht herausgefiltert werden könnten.

Haltungskennzeichnungen unbekannt, gesetzlicher Standard nicht artgerecht
2018 haben mehrere Handelsketten eigene, vierstufige Haltungskennzeichnungen für Frischfleisch ihrer Eigenmarken von Schweinen, Rindern, Hühnern und Puten in der Selbstbedientheke eingeführt: Von Stufe 1 „Stallhaltung nach gesetzlichem Standard“ bis Stufe 4 „Bio“ bzw. „Premium“-Standard. Wie die Umfrage zeige, ist diese Klassifizierung jedoch weitgehend unbekannt. Nur 17 Prozent der Befragten geben an, die Haltungskennzeichnung auf Fleischpackungen schon einmal gesehen zu haben. Die Stallhaltung nach gesetzlichem Standard stoße bei den Befragten auf wenig Vertrauen: 80 Prozent stufen diese Tierhaltung eher nicht oder auf keinen Fall als artgerecht ein.

Verbraucher wünschen Orientierung – Handel in der Verantwortung
Obwohl sie weitgehend unbekannt sei, hält über die Hälfte (55 Prozent) der Befragten eine Haltungskennzeichnung für eher hilfreich beziehungsweise sehr hilfreich für den Kauf von Fleisch aus tiergerechter Haltung. Bei den Jüngeren unter 45 Jahren meinen das sogar fast drei Viertel. Das zeige, Verbraucher suchen Orientierung beim Einkauf von Fleisch. Die vom Handel in diesem Jahr angekündigte Vereinheitlichung der Haltungskennzeichnung sei daher grundsätzlich zu begrüßen. Sie ersetze aber nicht ein glaubwürdiges und verlässliches staatliches Tierwohlkennzeichen.

Die Ergebnisse und weitere Informationen zur Umfrage sind abrufbar unter: www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/fleischwerbung-was-erwarten-verbraucher.

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